Unsere Drohnenobfrau Meike Quentin berichtet über die Saison 2026 in der Rehkitzrettung und liefert neben Zahlen, Daten und Fakten ehrliche Eindrücke und einen
spannenden Blick hinter die Kulissen. Seid gespannt und lest selbst!
Hinter uns liegt eine Kitzrettungs-Saison der absoluten Superlative. Wochenlang haben unsere Teams die Nächte durchgemacht, Schlaf gegen Tierschutz getauscht und sind zu unchristlichen Zeiten
aufgestanden, um das Leben der Schwächsten in unserer Natur zu schützen. Oft hieß es für uns auch Geduld beweisen: Wenn der Regen einsetzte, mussten wir abwarten und genau die kurzen, trockenen
Zeitfenster abpassen, um die Drohnen sicher in die Luft zu bekommen.
Heute ziehen wir hochoffiziell und voller Stolz den Schlussstrich unter eine intensive, emotionale und unglaublich erfolgreiche Saison. Unsere finale Statistik spricht eine unmissverständliche
Sprache:
28 Einsatztage voller Adrenalin und Teamgeist
532 geflogene Flächen – von der kleinen Waldwiese bis zum Mammut-Schlag
1.128 Hektar abgesuchte Gesamtfläche
159 gerettete Rehkitze
Diese Zahlen sind der absolute Wahnsinn und zeigen, was ehrenamtlicher Tierschutz bewegen kann! Jedes einzelne dieser 159 Leben war jede investierte Minute wert. Zu unserer Bilanz gehören in
diesem Jahr leider auch die traurigen Momente, die uns die Härte dieses Ehrenamts vor Augen führen: Ein Kitz konnte von uns zwar erfolgreich auf der Wiese gesichert werden, doch seine Mutter, die
Ricke, wurde beim anschließenden Mähen leider schwer verletzt und musste von ihren Leiden erlöst werden. Da das gerettete Kitz dadurch zur Waise wurde, haben wir es unverzüglich in eine
spezialisierte Auffangstation gebracht, wo es nun liebevoll großgezogen wird.
Wo Licht ist, ist auch Schatten – Ein Blick hinter die Kulissen
Es war eine ganz tolle Saison, aber wir wollen ehrlich sein: Es war bei weitem nicht immer einfach. Hinter den Kulissen gab es in diesem Jahr so viel Diskussionsbedarf wie selten zuvor. Wir
mussten uns mit schwierigen Rahmenbedingungen, organisatorischen Hürden und leider auch mit der mangelnden Verbindlichkeit mancher Absprachen auseinandersetzen. Wenn Teams mitten in der Nacht
aufstehen, ihre privaten Autos und eigenen Sprit investieren, um dann vor Ort unbegründete Absagen zu erleben oder Flächen mehrfach anfahren zu müssen, zehrt das an den Kräften. Hier werden wir für
die Zukunft ansetzen und klare, verbindliche Regeln schaffen.
Die Nervenschlacht der „Flitzer“
Besonders die letzten Wochen haben unseren Piloten und Helfern taktisch alles abverlangt. Mit fortschreitender Saison wurden die Kitze größer und mobiler. Die Sicherung entwickelte sich zu
einer echten Nervenschlacht mit den sogenannten „Flitzern“: Kitze, die keinen Drückinstinkt mehr haben, aufspringen und flüchten.
Hier haben unsere Teams oft bis zur Erschöpfung direkt an der Mähkante gestanden und aufgepasst, dass die flüchtigen Tiere während der laufenden Mahd nicht unbemerkt von einer anderen Seite
wieder direkt in das Mähwerk laufen. Bei riesigen Einzelflächen stößt diese händische Absicherung irgendwann an logistische Grenzen – aber wo es nur ging, haben unsere Helfer die Augen überall gehabt
und bis zur letzten Sekunde Wache gehalten.
Ein riesiges Dankeschön geht an unsere unfassbar engagierten Piloten, die unermüdlichen Läufer und Helfer im Hintergrund, die unterstützenden Jäger und all die Landwirte, die Hand in Hand mit
uns gearbeitet haben.
Die Drohnen bleiben nun am Boden, die Akkus werden eingemottet. Wir verabschieden uns jetzt in die wohlverdiente Sommerpause, um die Batterien – und unsere eigenen Speicher – wieder
aufzuladen.
Euer Team der Kitzrettung